Neurodermitis.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung, die mit heftigem Juckreiz und Ekzemen verbunden ist. Zur gleichen Krankheitsgruppe (sogenannte “Atopie”) zählen der Heuschnupfen und das allergische Asthma. Die Atopie kommt familiär vor, d.h. die Neigung zu diesen Erkrankungen wird vererbt. Ob, wann und wie eine Neurodermitis ausbricht ist jedoch im Einzelfall nicht vorhersehbar, allerdings scheint die Häufigkeit in den letzten Jahren rasant zuzunehmen, vor allem bei Kindern. Die genaue Ursache ist noch nicht geklärt, wahrscheinlich ist unter anderem unsere Lebensweise mit übertriebener Sauberkeit hierfür verantwortlich, weil sich das Abwehrsystem “langweilt” und gegen harmlose Dinge wie Pollen, Nahrungsmittel oder Hausstaub richtet. Tatsächlich sind Allergien ein wichtiges Kennzeichen der Neurodermitis, aber weder das einzige noch die alleinige Ursache.

Absolut im Vordergrund steht der oft unerträgliche Juckreiz.

Die Forschung hat in den letzten Jahren viele Störungen bei der Neurodermitis entdeckt. Es gibt jedoch keinen Test, keinen Blutwert, der die Neurodermitis eindeutig anzeigt. Die Diagnose kann erst durch den Krankheitsverlauf und das Zusammenspiel vieler Faktoren, ähnlich einem Puzzle, gestellt werden:

Allergien: besonders häufig gegen Gräser- und Baumpollen, Hausstaubmilben und Nahrungsmittel (v.a. Milch, Ei, Nüsse, Fisch, Zitrusfrüchte, Farb- u. Konservierungsstoffe)
Hauttrockenheit : durch die gestörte Barriere neigt die Haut verstärkt zur Austrocknung.
Abwehrschwäche : vor allem gegen Infektionen mit Bakterien und Viren, z.B. Herpes, Warzen.
Schweißdrüsen : Schwitzen führt häufig zu verstärktem Juckreiz.
Psyche : psychische Belastungen können die Erkrankung maßgeblich verschlimmern.
Wie wird die Neurodermitis behandelt? Vorab muß leider festgehalten werden: die Neurodermitis ist bis heute unheilbar, d.h. die Ursache kann nicht beseitigt werden. Allerdings lassen sich die Beschwerden durch eine geeignete Behandlung so lindern, daß man mit dieser Erkrankung leben kann.

Immer wieder werden Wundertherapien mit Heilungsversprechen angepriesen.

Hiervor kann nicht deutlich genug gewarnt werden! In der Regel wird hierdurch nur das Bankkonto des Anbieters geheilt.

Weil die Neurodermitis nicht nur eine Ursache hat, muß auch die Behandlung viele Aspekte individuell berücksichtigen. Erst durch das Zusammenspiel kann ein befriedigender Erfolg erreicht werden, eine im wahren Sinn des Wortes ganzheitliche Therapie ist erforderlich. Nicht alle Neurodermitispatienten sind über diese Zusammenhänge informiert, die zudem aus Zeitmangel häufig in der Kassenpraxis nicht ausreichend besprochen werden können.

Im Folgenden werden diese Behandlungen lediglich kurz skizziert :

Allgemeine Behandlungen:

  • Hautpflege, Hautreinigung
  • Kleidung
  • Klima
  • Ernährung

Allergien:

  • Streß abbauen
  • Provokationsfaktoren meiden

Äußerliche Behandlungen:

  • Kortison
  • Andere Salben
  • UV-Bestrahlung

Innerliche Behandlungen:

  • Antihistaminika
  • Kortison
  • Andere Tabletten

Alternative Behandlungen

Allgemeine Behandlungen:

Hautpflege+Hautreinigung: Die Haut des Neurodermitikers ist zu trocken und muß meist regelmäßig eingefettet werden. Die hierfür geeignete Creme oder Salbe muß für jeden Patienten individuell herausgefunden werden. Manche brauchen eine sehr fettige Salbe, die von anderen als klebrig empfunden würde. Man muß sich aber immer vor Augen halten, daß jede Salbe nur ein minderwertiger Ersatz für das kompliziert aufgebaute eigene Hautfett ist, das (noch) nicht künstlich hergestellt werden kann. Wichtiger ist, das eigene Hautfett zu schonen. Insbesondere durch das Waschen mit Seifen wird das Hautfett entfernt, auch durch sogenannte hautfreundliche, pH-neutrale Syndets! Patienten sollten längere Bäder möglichst meiden (außer ggffls. mit Salz, siehe unten) und sich mit klarem Wasser, nur bei wirklicher Verschmutzung mit Seife reinigen.

Soll gebadet oder geduscht werden, ist ein Ölbad oder -dusche sinnvoll, besser Spreitungs- als Emulgationsbäder. Generell gilt: Lieber das eigene Hautfett schonen als ein minderwertiges zuführen.

Kleidung: Die meisten Neurodermitiker reagieren mit Juckreiz auf Schwitzen. Die Kleidung sollte deshalb leicht und luftdurchlässig sein. In der Regel wird reine Baumwolle am besten vertragen, Wolle oder Synthetik wird meist als unangenehm empfunden.

Zum Waschen: Während früher von Weichspülern abgeraten wurde, liegt heute eine gegenteilige Studie vor. Rat: beides ausprobieren.

Klima: Meistens bessern sich die Beschwerden in Frühling und Sommer, vor allem durch die Sonne.

Allerdings kann sich bei Patienten mit Pollenallergien im Frühling auch die Haut verschlechtern oder im Sommer durch Schwitzen der Juckreiz zunehmen. Als besonders günstig haben sich Hochsee- und Hochgebirgsklima erwiesen. Ernährung: Vorab: Eine allgemeingültige Neurodermitisdiät gibt es nicht!

Allerdings haben viele Patienten, vor allem Kinder, Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten.

Besonders häufig:

Milch
Ei
Soja
Südfrüchte
Nüsse
Fisch
Farb- und Konservierungsstoffe
Besteht ein Verdacht: Erst Haut- und Bluttest, dann sollte das verdächtige Nahrungsmittel weggelassen werden, ggfls. später Provokationstest. Für Mütter neurodermitisgefährdeter Kinder: Wenn möglich mindestens 6 Monate stillen.

Allergien: Die Neurodermitis ist keine Allergie, aber fast immer bestehen hierbei Allergien, die das Krankheitsgeschehen beeinflussen.

Besonders häufig:

  • Pollen
  • Tierhaare
  • Hausstaubmilben
  • Nahrungsmittel

Diese Allergien müssen erkannt und behandelt werden.

Streß abbauen: Fraglich ist, ob es einen besonderen Neurodermitis-Typ gibt oder ob besondere Verhaltensmuster von Neurodermitikern nicht vielmehr Folge der jahrelangen Leidensgeschichte mit unerträglichem Juckreiz sind. Unbestritten jedoch ist die Wichtigkeit psychischer Faktoren.

Negativer Streß wie persönliche Probleme oder Überlastung am Arbeitsplatz können den Juckreiz verstärken und so einen Krankheitsschub auslösen oder verstärken.
Belastende Faktoren sollten erkannt und vermieden werden, hilfreich können hierbei z.B. Psychotherapie oder Autogenes Training sein.
Provokationsfaktoren meiden: Jeder Patient muß mit der Zeit lernen, welche der o.g. Faktoren bei ihm eine Bedeutung haben.
Eine entsprechende Lebensgestaltung verhindert meist keine neuen Schübe, kann diese aber mildern.
Äußerliche Behandlungen:

Kortison: ursprünglich ein körpereigenes Hormon mit entzündungshemmender Wirkung. Chemische Veränderungen brachten eine verstärkte Wirkung, aber auch ein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko, vor allem eine dauerhafte Verdünnung der Haut. Inzwischen wurden sogenannte Soft-Kortisone mit geringeren Nebenwirkungen entwickelt, die jedoch deutlich teurer sind. Insgesamt gibt es heute zahlreiche Präparate in unterschiedlicher Stärke.

Weiterhin ist Kortison bei akuten, schweren Schüben meist nicht zu vermeiden.

Andere Salben:

Bufexamac: entzündungshemmend, individuell sehr unterschiedliche Wirkungsstärke, bestenfalls wie ein schwaches Kortison. Als Nebenwirkung selten Allergien, keine Langzeitschäden bekannt. Harnstoff: Erhöht in der richtigen Konzentration die Feuchtigkeit der Haut. Zur Stabilisierung der Haut zwischen den Schüben geeignet, brennt bei aufgekratzter Haut. Antibiotika: Fast immer ist die befallene Haut mit krankmachenden Bakterien besiedelt, die bekämpft werden müssen. Antibiotika-Salben sind geeignet, besser sind aber desinfizierende Substanzen, weil hier keine Gewöhnung (Resistenz) eintritt.
Desinfizierende Substanzen: In Salbenform oder als feuchte Umschläge, z.B. Kaliumpermanganat, Chlorhexidin, Jod. Teer, Schieferöl: gering entzündungshemmend, ein bißchen “aus der Mode” gekommen.
Tacrolimus: (Protopic oder Elidel) Immununterdrückende Wirkstoff in Salbenform, so stark wie ein mildes Kortison, aber ohne Hautverdünnung. Extrem teuer! Kann über Kassenrezept nur in schwersten Fällen verordnet werden.
UV-Bestrahlungen: Ultraviolettes (=UV) Licht ist entzündungshemmend, deshalb wirkt die Sonne oft heilend, ebenso künstliches UV-Licht. Abhängig von der Wellenlänge werden verschiedene Bestrahlungsarten unterschieden. Bei Neurodermitis wird vor allem UV-A eingesetzt, neuerdings auch als “Kaltlichtbestrahlung” mit UV-A1 (letztere meist nicht von den Kassen bezahlt).

Weitere Varianten:

PUVA-Therapie: Hier wird UV-A Licht mit einer lichtverstärkenden Substanz kombiniert, entweder als Salbe, Bad oder Tablette. Balneo-Phototherapie: Kombination von Salzbädern und UV-Bestrahlung

Innerliche Behandlungen:

Antihistaminika: Juckreiz entsteht vor allem, wenn bestimmte Körperzellen (Mastzellen) einen juckreizfördernden Stoff (Histamin) freisetzen. Die Wirkung des Histamins kann mit Tabletten, den Antihistaminika, blockiert werden. Als Salbe sind diese Medikamente wirkungslos, lediglich auf Schleimhäuten, vor allem Nase und Augen, sind bestimmte Antihistaminika einsetzbar.
Kortison: Als Tablette oder Spritze extrem gut wirksam, aber bei längerer Anwendung auch extreme Nebenwirkungen ( u.a. Zuckerkrankheit, Knochenbrüchigkeit, Fettstoffwechselstörung, Magengeschwüre, psychische Veränderungen). Zudem kommt die Erkrankung nach dem Absetzen meist prompt und stärker zurück. Innerlich wird Kortison nur in Not- u. Ausnahmefällen eingesetzt.

Andere Tabletten:

Cyclosporin A: Unterdrückt die Immunabwehr des Körpers, wird eigentlich gegen Abstoßung nach Organverpflanzungen eingesetzt. Sehr wirksam, aber starke Nebenwirkungen. Nur für Ausnahmefälle geeignet.
Alternative Behandlungen:

Nach Meinung der Schulmedizin gilt die Neurodermitis als unheilbar. Kein betroffener Patient hört dies gern und viele brauchen lange, um sich hiermit abzufinden. Auf diesem Weg suchen fast alle Patienten irgendwann einmal Hilfe der alternativen Medizin. In der Öffentlichkeit, insbesondere in gewissen Sendungen des Privatfernsehens, wird regelmäßig über wundersame Heilungen bei Neurodermitis berichtet. Die Gründe sind meist leicht durchschaubar: Quote und Geld.

Dies führt leider nur zu einer Verhärtung der Fronten zwischen Schul- und alternativer Medizin, weil sich seriöse Ärzte natürlich heftig gegen solche Scharlatanerie zur Wehr setzen. Somit gerät oft in Vergessenheit, daß alternative Methoden durchaus wirksam sein können

Leider existieren nur wenige aussagekräftige wissenschaftliche Studien hierüber, so daß viele Aussagen über die Wirksamkeit noch “auf wackeligen Füßen” stehen. Auch darf nicht unterschätzt werden, daß sich die Neurodermitis oft spontan ändert und der Erfolg einer Therapie somit nur scheinbar, das heißt zufällig sein kann. Weiterhin fällt ins Gewicht, daß alternative, also meist privat bezahlte Therapeuten in der Regel mehr Zeit haben und eine gute Beratung wirksamer sein kann als manche Salbe. Die folgenden Bewertungen entsprechen dem aktuellen wissenschaftlichen Stand:

  • Homöopathie: Etwa 200 Jahre alte Methode, nach der prinzipiell krankmachende Substanzen in hoher Verdünnung heilen können. Die Wissenschaft ist sich über die Wirksamkeit nicht einig, das heißt es liegen sowohl Studien mit positivem als auch mit negativem Ergebnis vor.
    Es kann somit sinnvoll sein, diese Methode ergänzend einzusetzen und individuell die Wirksamkeit zu testen.
  • Akupunktur: Die Wirksamkeit in der Schmerztherapie gilt als bewiesen, für die Neurodermitis liegen noch zu wenige Erkenntnisse vor. Auch hier gilt: individuell testen.
    Chinesische Kräuter: Sehr umstritten! Einerseits gibt es Berichte über die angeblich gute Wirkung eines chinesischen Kräutertees, andererseits zeigte eine chemische Untersuchung von 11 chinesischen Kräutersalben in 8 (!) Fälle eine Beimischung von Kortison!
    Rat: nur anwenden, wenn die Zusammensetzung genau bekannt ist.
  • Eigenblut: Kein wissenschaftlicher Beweis, aber in Einzelfällen wirksam.
  • Phytotherapie: Die Behandlung mit pflanzlichen Substanzen. Prinzipiell wirksam, auch sehr viele schulmedizinische Medikamente waren ursprünglich pflanzlichen Ursprungs. Einige bewährte Substanzen stehen heute in standardisierter Form als Fertigpräparate zur Verfügung, z.B. Gerbstoffe, Hamamelis, Dulcamara, Cardiospermum oder Nachtkerzen- u. Borretschsamenöl (Gamma-Linolensäure)
  • Symbioselenkung: Wiederaufbau einer gestörten Darmflora, prinzipiell sinnvoll nach Antibiotika oder bei Darmpilz. Umstritten, ob durch den Mund aufgenommene Präparate überhaupt in wirksamer Form den Darm erreichen. Generell einen Versuch wert, weil praktisch ohne Nebenwirkung.
  • Elektroakupunktur nach Voll (EAV): Ohne nachgewiesene Wirkung
  • Bioresonanztherapie: Ohne nachgewiesene Wirkung
  • Bachblüten-Therapie: Ohne nachgewiesene Wirkung
  • Frischzellen-/Thymustherapie: Ohne nachgewiesene Wirkung
  • Magnetfeldtherapie: Ohne nachgewiesene Wirkung
  • Urin trinken: Ohne nachgewiesene Wirkung
  • Aromatherapie: Ohne nachgewiesene Wirkung
  • AHIT (Autohomologe Immuntherapie): Ohne nachgewiesene Wirkung

 

Panel Adresse

Dr. med. Peter Grotmann
Facharzt für Dermatologie, Venerologie und Allergologie

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